Kirchenwahlen werden schlanker und einfacher - Herbsttagung der Landessynode beendet
- 24.10.2024 -
Badische Landessynode ändert das Leitungs- und Wahlgesetz und beschäftigt sich mit zeitgemäßen Kasualien
Karlsruhe/Bad Herrenalb, (24.10.2024). Die 13. Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden hat am Donnerstag zum Abschluss ihrer diesjährigen Herbsttagung eine Änderung des Leitungs- und Wahlgesetzes beschlossen. Zudem haben sich die Synodalen bei ihrem Treffen im Haus der Kirche in Bad Herrenalb in den zurückliegenden Tagen mit dem Schwerpunktthema Kasualien sowie in intensiven Beratungen mit ersten Überlegungen zu den Eckdaten des nächsten Doppelhaushaltes beschäftigt.
Am 30. November 2025, dem 1. Advent, werden in der Evangelischen Landeskirche in Baden die nächsten Wahlen der Ältestenkreise stattfinden. „Bei der letzten Kirchenwahl, die ja alle sechs Jahre stattfinden, haben wir mit der Briefwahl zeitlich und finanziell einen Riesenaufwand gehabt, um die Wahlbeteiligung nach oben zu schrauben. Das hat sich leider kaum positiv ausgewirkt“, skizziert Synodalpräsident Axel Wermke die Gründe, aus denen das Leitungs- und Wahlgesetz novelliert wurde. „Durch die nun beschlossene Neufassung wird die Durchführung der Kirchenwahlen schlanker und einfacher. Dies gibt für die praktische Gestaltung vor Ort große Handlungsspielräume.“
Die Ältestenkreise sind künftig für die Durchführung der Wahlen verantwortlich, die im Rahmen einer Wahlversammlung stattfinden werden. Die Wahlversammlung ersetzt damit die zuletzt durchgeführte allgemeine Briefwahl, für die ein erheblicher Organisationsaufwand notwendig gewesen ist.
Ebenfalls neu im Leitungs- und Wahlgesetz ist, dass Gewählte nach Übernahme ihres Ehrenamtes innerhalb eines Jahres ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen und eine Schulung nach den Regelungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt zu absolvieren und eine entsprechende Verpflichtungserklärung abzugeben haben.
Die Änderung des Gesetzes ist ein weiterer Baustein, um der Verantwortung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt gerecht zu werden. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind „Alle Achtung“-Schulungen bereits eine Selbstverständlichkeit. Mit der Neuregelung wird dies auf alle Ehrenamtlichen in Leitungsverantwortung ausgeweitet.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung, die am Sonntagabend begann, war das Thema Kasualien. Während eines Studienvormittags beschäftigten sich die Synodalen mit der Frage, wie Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen zeitgemäß auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten werden können. „Empirisch wahrnehmbar erstreckt sich das Kasualbegehren immer mehr auch auf Anlässe, die die traditionelle Vierzahl der Kasualien übersteigen“, stellte Prof. em. Dr. Thomas Klie in seinem Impulsvortrag zum Studientag fest: „Gebäude und Reisende wollen gesegnet, Glocken geweiht, Erstklässler wie Abiturientinnen liturgisch bedacht und Presbyter verabschiedet werden; an Verstorbene soll die Kirche erinnern, das Verliebtsein am Valentinstag würdigen, die Trennung von Paaren rituell befrieden, Kranke salben und Totgeborene kirchlich bestatten.“
Neben Drop-In-Taufen und Pop-Up-Hochzeiten ging es im Workshopteil des Studientages daher auch um neue Kasualien wie Segensfeiern für Schwangere, um die Arbeit von Kasualagenturen und Einladungen zur Taufe durch gezielte Kommunikation mit den Eltern Neugeborener.
In intensiven Ausschussdebatten beschäftigten sich die 73 Synodalen außerdem mit ersten Überlegungen für den nächsten Doppelhaushalt. Die Evangelische Landeskirche in Baden hat sich aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und damit auch aufgrund eines rückläufigen Steueraufkommens zum Ziel gesetzt, ihre Ausgaben bis zum Jahr 2032 um 30 Prozent zu reduzieren. „Dabei bemühen wir uns, kein Hau-Ruck-Verfahren und keine Rasenmäher-Methode anzuwenden“, sagt Wermke. „Die Frage ist, wie gestalten wir jetzt die Kirche der Zukunft, damit auch nachfolgende Generationen Kirche kraftvoll erleben können“, betont Landesbischöfin Heike Springhart. Um die Sparmaßnahmen umzusetzen, wurden auf der Herbsttagung verschiedene Arbeitsfelder anhand von sogenannten Steckbriefen in den Blick genommen. Diese Betrachtungen und Beratungen werden auf den kommenden Tagungen fortgesetzt. Die Eckpunkte für den nächsten Doppelhaushalt sollen im nächsten Frühjahr beschlossen werden.
Ebenfalls ein Thema der Herbsttagung war der gesellschaftliche Zusammenhalt, für das am Montag die baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras in Bad Herrenalb zu Gast war, um sich mit der Landesbischöfin Heike Springhart und dem Plenum auszutauschen. Als zentrale Botschaft hatte die Politikerin mitgebracht, dass es wichtig sei, eine klare Haltung einzunehmen und zugleich gesprächsbereit für alle unterschiedlichen Teile der Gesellschaft zu bleiben, um Unterstützern von Demokratiefeinden Brücken „zurück auf das demokratische Festland“ zu bauen. Dabei könne die Kirche eine wichtige Rolle spielen.
Im Rahmen der Plenarsitzungen berichtete außerdem Landesbischöfin Heike Springhart über ihren Besuch bei der Evangelischen Kirche am Rio de La Plata in Argentinien, in dessen Rahmen eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet wurde. Zudem wurde Ilse Lohmann, die ehemalige Vizepräsidentin der badischen Landessynode, nach ihrem Umzug nach Ostwestfalen offiziell verabschiedet.
Die Frühjahrstagung der 13. Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden findet in der Zeit vom 6. bis 10. April 2025 im Haus der Kirche in Bad Herrenalb statt.

