Gedenkfeier zum 85. Jahrestag der Deportation badischer Jüdinnen und Juden

- 09.10.2025 - 

Am Sonntag, 19. Oktober, werden am Ökumenischen Mahnmal in Neckarzimmern zwei neue Gedenksteine eingeweiht.

Karlsruhe/Freiburg/Neckarzimmern (9.10.2025). Am Sonntag, 19. Oktober, 13 Uhr, laden die Evangelische Landeskirche in Baden, die Erzdiözese Freiburg und der Förderverein Mahnmal e.V. zu einer Gedenkfeier am ökumenischen Mahnmal der Evangelischen Jugendbildungsstätte Neckarzimmern (Steige 50) ein. Im Zuge der Gedenkfeier zum 85. Jahrestag der in das Lager Gurs deportierten badischen Jüdinnen und Juden werden auch zwei neue Gedenksteine aus Grombach und Wangen am Bodensee am ökumenischen Mahnmalprojekt eingeweiht.

Mahnmalstein für Wangen, erstellt von der evangelischen Schule Gaienhofen
Gedenkstein für die nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden aus Wangen am Bodensee, erstellt von der evangelischen Schule Gaienhofen

Quelle: Nathalie Dittmann, Gaienhofen 2025 - eingebettet von www.ekiba.de

Über 5.600 Menschen jüdischer Abstammung oder Religionszugehörigkeit aus Baden wurden am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südwestfrankreich deportiert. Das Mahnmal in Neckarzimmern hat sich zum zentralen badischen Gedenkort dafür entwickelt. Die vor 20 Jahren gegründete Gedenkstätte in Form eines Davidsterns bietet Platz für 138 Steine aus 138 Deportationsorten. Mit den beiden neuen Gedenksteinen sind nun Steine aus 129 Deportationsorten dort versammelt.
Das zerteilte Haus: Gedenkstein aus Wangen
Der neue Gedenkstein aus Wangen am Bodensee hat die Form eines zerteilten, demolierten Hauses mit einem sogenannten „Walmdach“, eine damals typische Bauweise jüdischer Häuser in Deutschland. Eine Hälfte des Hauses wird in Neckarzimmern stehen, die andere Hälfte bleibt als Gedenkstein in Wangen und wird dort voraussichtlich im Kirchgarten der katholischen Kirche in Wangen aufgestellt und am 9. November eingeweiht werden. „Das zerteilte Haus – symbolisch für die jüdische Bevölkerung in Wangen – soll mahnend an den gewaltsamen Bruch erinnern, welcher durch den Nationalsozialismus dem einstmals jahrhundertelang weitestgehend friedlichen Zusammenleben von jüdischer und nicht-jüdischer Bevölkerung zugefügt wurde. Unterstrichen wird die Botschaft durch Namen der jüdischen Bevölkerung auf den beiden Haushälften, welche kaum noch zu sehen sind – ja ausradiert sind“, sagt Julian Hobinka, Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer an der Evangelischen Schule in Gaienhofen. Zusammen mit der Kunstlehrerin Nathalie Dittmann und einer Gruppe freiwilliger Schülerinnen und Schüler und mit Unterstützung einer betroffenen Familie habe sich das Team intensiv mit der Gedenkarbeit auseinandergesetzt, dies in Texten, Videos und Bildern festgehalten und die Idee für den Gedenkstein erarbeitet.
Gedenkstein aus Grombach
In Grombach hat Daniel Kühner, Gemeindereferent der Katholischen Seelsorgeeinheit Bad Rappenau und Obergimpen, für ein ökumenisches Projekt einige Jugendliche und junge Erwachsene gewinnen können. Unterstützt vor allem durch das große Engagement von Herman Laufer, einem Grombacher Bürger, der sich sehr gut mit der jüdischen Vergangenheit in Grombach auskennt, haben sich die Projektteilnehmer mit dem Dritten Reich und der Deportation von Jüdinnen und Juden in Grombach beschäftigt. „Wir haben erfahren, dass es in Grombach vor der NS-Zeit seit dem 17. Jahrhundert eine lebendige jüdische Gemeinde mit einem starken Glaubensleben gab, die auch über eine eigene Synagoge verfügte. Die jüdischen Mitbürger*innen waren angesehene und wichtige Mitglieder der Dorfgemeinschaft, die sich in den Vereinen engagierten und zahlreiche Betriebe hatten“, erklärt Daniel Kühner. Der Entwurf für den Stein stammt von dem Stein-Künstler Ralph Nieling aus Eppingen-Mühlbach, der während des Projektes erkrankte und starb. Er zeigt oben die Silhouette der Grombacher Synagoge, darunter ist auf einer Platte der Thora-Vers „Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker sein“ in deutscher und hebräischer Sprache zu lesen, der sich im Türsturz der Synagogentür befand und bis heute erhalten und in der Verwaltungsstelle Grombach aufbewahrt ist. Darunter sind die Namen der sieben nach Gurs deportierten Menschen und schließlich sieben Davidsterne aus Mosaiksteinen. Ein identischer Stein wird in Grombach in der Ortsstraße vor der Verwaltungsstelle, am ehemaligen Standort der Synagoge, voraussichtlich am 27. Januar 2026 aufgestellt werden.
 
An der Gedenkfeier beteiligen sich Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, des Oberrats der Israeliten in Baden sowie des Kultusministeriums. Als besonderer Gast wird der 1930 geborene Dr. Kurt Salomon Maier sprechen, einer der letzten Überlebenden der Deportation. 
Im Anschluss an die Gedenkfeier laden die Veranstaltenden alle Teilnehmenden in die Festhalle Neckarzimmern (Hauptstraße 21) ein. Gemeinsam soll dort auf 20 Jahre „Ökumenisches Jugendprojekt Mahnmal“ zurückgeblickt werden. 
 
Weitere Informationen unter: www.mahnmal-neckarzimmern.de
 
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin